FunkenSprüher 2026: Drei Abschlussarbeiten ausgezeichnet – Preis legt vorerst eine Pause ein.

Madeleine Kuhl gewinnt den FunkenSprüher 2026 – zwei zweite Preise gehen an Thomas Leonhard und Fabian Seurer

Daun. Wie können mittelständische Unternehmen neue Märkte erschließen? Was kann Künstliche Intelligenz ganz konkret in der industriellen Produktion leisten? Wie intelligent muss eine Dusche sein? Und wann lohnt sich eigentlich eine Immobilien-GmbH? Die fünf Abschlussarbeiten, die in diesem Jahr für den FunkenSprüher der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel mbH (WFG) eingereicht wurden, könnten thematisch kaum unterschiedlicher sein. Gemeinsam ist ihnen der Blick auf Fragestellungen, die für Unternehmen, Institutionen oder die Entwicklung der Region von Bedeutung sind.

Bei der feierlichen Preisverleihung am Mittwoch, den 26. August 2026, bei der VR Bank RheinAhrEifel eG in Daun standen zunächst die fünf Einreichenden und ihre Arbeiten im Mittelpunkt. In kurzen Interviews stellten sie ihre Themen, ihre wichtigsten Erkenntnisse und den möglichen Nutzen ihrer Arbeiten für die Praxis vor. Erst im Anschluss wurde die Entscheidung der Jury bekannt gegeben.

Madeleine Kuhl gewinnt den FunkenSprüher 2026

Den ersten Preis erhielt Madeleine Kuhl für ihre Masterarbeit „Qualitätsmanagement für Medizinprodukte – Potenzial- und Machbarkeitsanalyse zur Einführung der DIN ISO 13485 am Beispiel eines mittelständischen Unternehmens“.

Am Beispiel der PREMOSYS GmbH untersuchte Madeleine Kuhl, welche strategischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen ein mittelständisches Unternehmen erfüllen muss, um ein Qualitätsmanagement- system nach ISO 13485 einzuführen und damit den Zugang zum Medizinproduktemarkt zu ermöglichen. Dabei bleibt es nicht bei einer theoretischen Betrachtung: Die Arbeit analysiert die Ausgangssituation des Unternehmens, identifiziert konkrete Handlungsbedarfe und entwickelt einen praxisorientierten Weg für die Umsetzung. Darüber hinaus wird untersucht, ob der Schritt in den Medizinproduktemarkt auch wirtschaftlich tragfähig ist.

Die Jury überzeugte insbesondere der unmittelbare Nutzen für ein Unternehmen aus der Region. Die Arbeit kann dazu beitragen, neue Märkte zu erschließen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und damit langfristig auch qualifizierte Beschäftigung in der Vulkaneifel zu sichern.

Zwei zweite Preise für innovative Praxislösungen

Die Jury entschied sich in diesem Jahr dafür, zwei Arbeiten gleichrangig mit dem zweiten Preis auszuzeichnen. Einer der beiden zweiten Preise ging an Thomas Leonhard für seine Masterarbeit „Automatische Identifikation und Trennung von Gutteilen und Spänen mittels intelligenter Systeme“.

In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Bilstein & Siekermann in Hillesheim untersuchte Leonhard, wie Künstliche Intelligenz, Bilderkennung und Robotik eingesetzt werden können, um einen bislang manuellen Produktionsprozess zu automatisieren. Dazu entwickelte und trainierte er ein eigenes KI-System und erprobte die technische Umsetzung in einem Versuchsaufbau.

Bemerkenswert ist auch das Ergebnis der Arbeit: Leonhard zeigt nicht nur die Möglichkeiten der Technologie auf, sondern setzt sich ebenso konsequent mit ihren technischen und wirtschaftlichen Grenzen auseinander. Damit liefert die Arbeit dem Unternehmen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für zukünftige Investitionen und zeigt beispielhaft, wie KI in einem mittelständischen Produktionsbetrieb sinnvoll eingesetzt werden kann.

Ebenfalls mit einem zweiten Preis wurde Fabian Seurer für seine Masterarbeit „Benutzerzentrierte Optimierung der User Experience einer smarten Duschsteuerung“ ausgezeichnet.

Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Frage, wie intelligente Technik im Badezimmer echten zusätzlichen Nutzen bieten kann, ohne die Bedienung unnötig kompliziert zu machen. Auf Grundlage von Nutzerbefragungen, Prototypen und Tests entwickelte Seurer unter anderem eine intelligente Warm-Up-Funktion, die sich an den Bedürfnissen und Gewohnheiten der Nutzer orientiert. Darüber hinaus zeigen sich interessante Anknüpfungspunkte in den Bereichen Ressourceneffizienz und Trinkwasserhygiene. Die Arbeit steht zugleich im Zusammenhang mit einem Gründungsvorhaben und verbindet damit wissenschaftliche Forschung, Produktentwicklung und Unternehmertum.

Zwei weitere Arbeiten zeigen die große Bandbreite

Auch Carolina Holbach und Kiara Knippel wurden für ihre Einreichungen gewürdigt und erhielten eine Teilnahmeurkunde.

Carolina Holbach beschäftigte sich in ihrer Masterarbeit „Aktives Lernen am außerschulischen Lernort: Entwicklung von Lernstationen im Katta-Gehege des Wild- und Erlebnisparks Daun für den Sachunterricht der Primarstufe“ mit der Frage, wie außerschulische Lernorte kindgerechtes und handlungsorientiertes Lernen fördern können. Sie entwickelte konkrete Lernstationen für den Wild- und Erlebnispark Daun und verbindet damit wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Bildungsarbeit unmittelbar vor Ort.

Kiara Knippel ging in ihrer Bachelorarbeit „Die Immobilien-GmbH – ein Instrument zur Steueroptimierung?“ einer Frage nach, die insbesondere bei Immobilieninvestoren immer wieder diskutiert wird. Ihre umfangreichen Berechnungen zeigen, dass die häufig als Steuersparmodell dargestellte Immobilien-GmbH keineswegs pauschal vorteilhaft ist. Ob sie sich lohnt, hängt vielmehr von zahlreichen individuellen Faktoren ab – etwa vom persönlichen Steuersatz, der Mietrendite, der Finanzierung, der Wertentwicklung und davon, was langfristig mit den erwirtschafteten Gewinnen geschehen soll.

Nicht die beste Note entscheidet, sondern der größte „Funke“

Seit 2016 zeichnet die WFG Vulkaneifel mit dem FunkenSprüher Abschlussarbeiten aus, die sich mit Fragestellungen aus dem Landkreis beschäftigen oder Unternehmen und Institutionen der Region konkrete Impulse geben. Dabei versteht sich der FunkenSprüher ausdrücklich nicht als zusätzlicher wissenschaftlicher Wettbewerb. Die fachliche und wissenschaftliche Qualität einer Arbeit wird bereits durch Hochschule und Betreuende beurteilt. Für die Jury des FunkenSprüher stehen andere Fragen im Mittelpunkt: Was kann diese Arbeit für die Vulkaneifel bewirken? Wo entsteht ein konkreter Nutzen für Unternehmen, Institutionen oder Gesellschaft? Und wo steckt der „Funke“, aus dem in der Praxis etwas entstehen kann?

Dabei wird berücksichtigt, ob eine Arbeit gemeinsam mit einem Unternehmen oder einer Institution aus der Region entstanden ist oder ob sie ohne einen solchen unmittelbaren Kooperationspartner einen übertragbaren Nutzen für die Vulkaneifel bietet. „Genau diese Verbindung war für uns immer der besondere Reiz des FunkenSprüher“, sagt Judith Klassmann-Laux, Geschäftsführerin der WFG Vulkaneifel. „Junge Menschen beschäftigen sich über Monate intensiv mit einer Fragestellung und entwickeln dabei Wissen, Ideen und konkrete Lösungsansätze. Wenn wir dieses Wissen mit Unternehmen und Institutionen unserer Region zusammenbringen können, profitieren beide Seiten.“

Nach mehr als zehn Jahren: FunkenSprüher legt zunächst eine Pause ein

Die Preisverleihung 2026 markiert zugleich einen Einschnitt in der Geschichte des FunkenSprüher. Bereits im Jubiläumsjahr 2025 konnte der Preis auf mehr als 90 eingereichte Abschlussarbeiten seit seiner Einführung zurückblicken. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass die Nachfrage nach Abschlussarbeitenpreisen dieser Art deutlich zurückgeht.

In diesem Jahr wurden noch fünf studentische Abschlussarbeiten eingereicht. Schulische Einreichungen gab es erstmals keine. Die Qualität der eingereichten Arbeiten war auch 2026 hoch – die Entwicklung bei den Bewerbungszahlen zeigt jedoch, dass das bisherige Format seine Zielgruppen zunehmend schwerer erreicht. Die WFG hat sich deshalb entschieden, den FunkenSprüher zunächst nicht erneut auszuschreiben und dem Format eine Pause zu geben.

„Wir haben den FunkenSprüher viele Jahre mit großer Überzeugung getragen. Aber ein Format darf nicht nur deshalb weiterlaufen, weil es das schon immer gab“, erklärt Klassmann-Laux. „Wenn sich die Nachfrage verändert, müssen auch wir uns fragen, wie wir junge Menschen künftig besser erreichen können. Vielleicht kommt der FunkenSprüher irgendwann zurück – vielleicht entsteht daraus auch etwas ganz Neues. Die Idee dahinter bleibt für uns jedenfalls wichtig: junge Talente, ihre Themen und ihr Wissen mit der Region und ihrer Wirtschaft zusammenzubringen.“ Damit ist die Pause ausdrücklich kein Abschied von der Grundidee des FunkenSprüher, sondern auch eine Einladung, über neue Wege der Talentförderung und des Wissenstransfers nachzudenken.

Dank an VR Bank, Jury und Einreichende

Gastgeberin und Unterstützerin der diesjährigen Wettbewerbsrunde war die VR Bank RheinAhrEifel eG. Die WFG dankte insbesondere Sascha Mannschauer, Vorsitzender des Vorstandes, sowie Thomas Klassenmann, Direktor des Regionalmarktes Eifel, für die Unterstützung des FunkenSprüher 2026, die Bereitstellung der Preisgelder und die Gastfreundschaft bei der Preisverleihung.

Ein besonderer Dank galt außerdem den Mitgliedern der Jury, die sich intensiv mit den eingereichten Arbeiten auseinandergesetzt und deren möglichen Mehrwert für Wirtschaft, Gesellschaft und Region bewertet hatten.

Im Mittelpunkt des Abends standen jedoch die fünf Einreichenden selbst.

„Eine Platzierung ist am Ende nur ein Teil dieses Abends“, so Klassmann-Laux. „Alle fünf haben mit ihren Arbeiten gezeigt, wie vielfältig die Themen sind, mit denen sich junge Menschen beschäftigen – und wie viele interessante Impulse daraus auch für unsere Region entstehen können.“ Auch wenn der FunkenSprüher nun zunächst pausiert, bleibt für die WFG das Ziel bestehen, junge Menschen, Unternehmen und regionale Fragestellungen miteinander zu verbinden – und aus guten Ideen konkrete Chancen für die Vulkaneifel entstehen zu lassen.

Foto: VR Bank RheinAhrEifel eG

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